Hilal Sezgin: Landleben. Von einer, die raus zog
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Schafe, Hühner und ein Haus mit Garten
Hilal Sezgin tauschte modische Boots gegen Gummistiefel, städtisches Stubenhocken gegen ein Leben auf dem Land, mit Tieren, weitem Blick auf Wald und Wiese, mit Jahreszeiten. In „Landleben“ erzählt sie vom Abenteuer, anzukommen in ihrem ganz persönlichen Glück.
Von Monika Thees, 13.2.2012
Sie ist eine, die »raus zog», ein Stadtmensch, dem es zu eng wurde in den Häuserschluchten. Eine, die den Mut besaß, eine, die nicht die Entbehrung suchte, sondern ein bereicherndes Mehr. Hilal Sezgin hatte fast ihr ganzes Leben in Frankfurt verbracht, ein Studium abgeschlossen, einige Bücher und viele Artikel verfasst. Sie war gerade 36 geworden, freiberufliche Autorin ohne Präsenzpflicht im Büro und fest entschlossen, das umzusetzen, was als Traum schon lange ihre Sehnsucht nährte: ein Leben auf dem Land mit Schnee im Winter, mit Kuckucksrufen im Frühjahr, ein Haus mit Garten und Tieren, ein Landfrauenhaushalt mit Ernten, Einkochen und Pilzesammeln im Herbst.
»Wer keine Ahnung hat, hat Mut», besagt das Sprichwort und Hilal Sezgins fehlendes Gespür für Risiko erwies sich als das Glück der Suchenden: Der Durst nach Grün, nach
Platz und Weite war stärker als jedes „Aber“, das Glücksversprechen des Aufbruchs überwog die fade Sicherheit des altbekannten Frankfurter Einerleis: Starbucks, Kino und unverbindliche Geselligkeit.
Heute, es sind schon über fünf Jahre ins Land gegangen, ist die Stadtflüchterin, die mit kühnen Schwung alle Zweifel und Bedenken außer Kraft setzte, dauerhaft wohnhaft und zu Hause am Rande eines 500-Seelen-Dorfs in der Lüneburger Heide – auf einem Hof mit Schafen, Ziegen, Hühnern, Gänsen und Katzen, insgesamt 60 Tieren an der Zahl.
Brennnessel und Giersch
Jede große Veränderung beginnt mit einem ersten Schritt, der hieß für Hilal Sezgin, ein Haus zu suchen: nicht zu einsam, nicht zu teuer, zunächst geeignet für den Sezgin’schen Single-Haushalt plus drei Katzen. Sie studiert Landkarten, Fahrpläne, erörtert Fragen des Renovierens und Restaurierens, versucht, potenzielle Nazihochburgen auszumachen, checkt die Nähe zu Universitätsstädten und besiegelt schließlich, nach etlichen Besichtigungen und langem Hin und Her, per Handschlag einen Vertrag mit Bio-Landwirt Christian, dem Vermieter ihres Vertrauens und eines Hauses, das ihren Vorstellungen sehr nahe kommt: ein Backsteinbau mit Giebelfenster, mit Wiese hinter der Terrasse, »auf der allerlei gedieh, am besten Brennnessel, Ampfer und Giersch».
Frisch plant sie Einrichtung und Umzug, ordert Tische, Schränke und weiteres Mobiliar per ebay oder Ikea – und ebenso frisch und lebendig lesen sich die Episoden der glücklich verlaufenden, wenn nicht gar märchenhaften Metamorphose der einstigen Häuserwändestarrerin. In ihrem neuen Heim zwischen Kartoffel- und Rapsfeldern, Pferdewiesen und kleinen Wäldchen mausert sich die Zugezogene aus der Mainmetropole zu wetterfesten und handfest zupackenden Landfrau mit Sinn fürs praktisch Machbare. Mit tatkräftiger Unterstützung der dörflichen Gemeinschaft werden Zäune errichtet, Lämmer entbunden und der Schafstall ausgemistet. »Wie hast du eigentlich vorher in der Stadt überlebt?», fragt Christian einmal. »Schlecht», antwortet Hilal. Es ist ganz und gar nicht gelogen.
Janas Drillinge, Esmis Fuß und die drohende Deadline
Kein verklärtes »Zurück zu Natur» wird hier beschworen, kein verkrampft alternatives Leben in dogmatisch korrekter Strenge exerziert, Hilal Sezgin weiß um die Widersprüche und um die Illusion dessen, was gemeinhin als ländlich-bäuerliche Idylle nur noch Werbeplakate der Nahrungsmittelindustrie oder Tourismusbranche ziert. Agrarindustrie nennt sich die Massenproduktion in Stall und auf dem Acker, Monokultur und Zersiedelung zerstören Landschaft nebst Vielfalt, junge Leute flüchten in die Stadt. Und doch: Ruhe, Weite und Wetter haben ihren Reiz, bieten ganz real die Möglichkeit, ein wenig sinnlicher und unmittelbarer, mehr mit der Natur als gegen sie zu leben.
Hilal Sezgin erzählt von ihrem ganz persönlichen Glück, augenzwinkernd und selbstironisch berichtet sie von Fehlschlägen, alltäglichen Kümmernissen und der allmählich wachsenden Schar gefellter und gefiederter Mitbewohner: Schafe, Hühner, zwei Gänse und eine Ziege. Sie wollen versorgt, umhegt, gepflegt werden. Schaf Jana hat Drillinge und eine Euterentzündung, Ganter Esmis Fuß sieht nicht gut aus, die aus der Bio-Freilandhaltung geretteten Hühner brauchen eine habichtsichere Unterkunft. Reparaturen, kranke Tier und die tägliche Erwerbsarbeit am Computer mit bedrohlich näherrückender Deadline setzen ihr zu. Selbstkritisch räumt sie ein: »Ein Stall voller Tiere, ein Konto ohne Einkünfte, ein unfertiges Manuskript und ein Landhaus ganz weit draußen – das war ein bisschen viel auf einmal.»
Gummistiefel nicht als Deko, sondern als tägliche Pflicht. Kein nie endenden wollender Urlaub auf der Hängematte unterm Apfelbaum, sondern Verantwortung und selbstauferlegte Verpflichtung – bei Wind, Wetter, Eis und Schnee. Ein Landleben à la Hilal Sezgin entschädigt nur den, der die Mühe aufbringt, jeden Tag früh aufzustehen, und sich nicht unterkriegen lässt: Er wird wachsen, vom ängstlichen Stubenhocker zu einem, den es jeden Tag nach draußen zieht. Er wird entlohnt werden: durch Tiere, welche die entgegengebrachte Achtsamkeit erwidern, durch die Gemeinschaft von Freunden, die einspringen mit Trecker, Werkzeug und Tatkraft oder einfach spontan vorbeischauen und »Hallo» sagen, durch üppige Ernte selbst gezogener Kartoffeln oder Johannisbeeren. Und durch den weiten Blick über Feld und Flur.
Das ist viel, sehr viel, wunderbar und real: viel Leben.
Literaturangaben:
Hilal Sezgin: Landleben. Von einer, die raus zog. DuMont Buchverlag, Köln 2011. 269 S., 19,99 Euro.
Mehr über Hilal Sezgin: http://http://www.wix.com/hilalsezgin/hilalsezgin/hilalsezgin/hilalsezgin
Artikel von Monika Thees erschienen bei: http://www.titel-magazin.de/artikel/186/10580/hilal-sezgin-landleben.html
Sylla @ 20. Februar 2012
Herzlichen Glückwunsch zu Präsidentenkandidat Joachim Gauck, Deutschland.
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Joachim Gauck (Foto/Archiv2010: © Angelika von Stocki)
Achso, Ausschnitte von Videos: http://www.youtube.com.
Sylla @ 19. Februar 2012
OECD warnt Deutschland: Nicht auf Lorbeeren ausruhen
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Berlin 14.2.2012. Ohne Reformen droht Deutschland der OECD zufolge schon in wenigen Jahren der wirtschaftliche Abstieg. „Ruht Euch nicht auf Euren Lorbeeren aus“, mahnte am Dienstag der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Angel Gurria in Berlin. Ohne Strukturreformen, die vor allem den Binnenmarkt stärken sollten, drohe Deutschland wegen der Alterung der Gesellschaft ab 2020 auf Wachstumsraten von unter einem Prozent zurückzufallen. Dabei seien bei entsprechenden Reformen auf lange Sicht jährliche Wachstumsraten von rund zwei Prozent erreichbar. Die OECD umfasst 34 Industriestaaten und empfahl Deutschland dem Beispiel Australiens zu folgen und eine Kommission zu schaffen, die alle Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung ermittelt und auf den Weg bringen sollte.
Lob für Arbeitsmarktreformen

Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erhielt den OECD-Bericht von Gurria (copyright - MedienModul)
Die OECD lobte in ihrem jüngsten Deutschland-Bericht die Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre und die Politik der Bundesregierung, mit denen Deutschland besser als viele andere Länder die jüngste Krise bewältigt habe. Dennoch müsse sich Deutschland weiteren Reformen stellen, um seine Position in der Weltwirtschaft zu verteidigen. Dazu zähle insbesondere, mehr für das Wachstum der Binnenwirtschaft zu tun. Das nutze nicht nur Deutschland, sondern auch seinen Handelspartnern und trage zu mehr Balance in der Weltwirtschaft bei. Ansetzen könne man bei einer stärkeren Liberalisierung des Dienstleistungsbereichs oder einem großzügigeren Kurs bei der Lohnpolitik.
Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erhielt den OECD-Bericht von Gurria und begrüßte die Kernforderung der Organisation. „Wir müssen die Wachstumskräfte in unserem Lande weiter stärken, indem wir die Erwerbsbeteiligung erhöhen und die Zuwanderung qualifizierter Menschen aus anderen Staaten weiter verbessern“, sagte Rösler. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände e.V. (BDA) forderte wie die OECD, die überaus hohe Belastung des Produktionsfaktors Arbeit zu senken. Außerdem sollten die Beiträge zur Rentenversicherung im kommenden Jahr deutlich gesenkt werden.
Mini-Wachstum für 2012
Für das laufende Jahr rechnet die OECD wegen der Abschwächung der Weltwirtschaft und der Krise im Euro-Raum, nur noch mit einem Mini-Wachstum in Deutschland von 0,4 Prozent. 2013 werde dies aber auf 1,9 Prozent anziehen. Damit ist die Organisation für 2012 vorsichtiger als die Bundesregierung mit ihrer Prognose von plus 0,7 Prozent. Als große Wachstumsbremse betrachtet die OECD die demografische Entwicklung. Von 2016 bis 2025 werde die Zahl der Erwerbsfähigen im Schnitt um 0,5 Prozent pro Jahr abnehmen, prognostizieren ihre Experten. Ist heute noch jeder zweite Deutsche zwischen 15 und 64 Jahre alt, dürfte es 2035 nur noch jeder vierte sein. „Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft viel schneller als im Durchschnitt der OECD-Länder“, lautet der Wirtschaftsbericht von Deutschland 2012 der OECD.
Als Konsequenz forderte Gurria Deutschland auf, bestehendes Potenzial an Arbeitskräften besser auszuschöpfen und eine effiziente bedarfsorientierte Zuwanderung zu ermöglichen. Es sollten mehr Frauen eingestellt werden. Während in Deutschland ein Drittel der Frauen in Teilzeit arbeiteten, seien es im OECD-Raum insgesamt nur ein Viertel. Eine Mitschuld daran trägt den Experten zufolge das Steuersystem. Es begünstige Familien mit nur einem Verdiener, der in der Regel der Ehemann ist. Durch die gemeinsame Steuerveranlagung von Ehepaaren zahle er einen geringeren Anteil seines Einkommens an den Fiskus als Doppelverdiener. Zudem habe Deutschland beim Lohn-Unterschied zwischen Männern und Frauen Nachholbedarf – die Schere sei die drittgrößte unter den OECD-Ländern. Als „kontraproduktiv“ bezeichnete die Organisation das Drängen der CSU-Partei auf ein „Betreuungsgeld“. Die OECD empfiehlt, diese Mittel besser zum Ausbau von Kindertagesstätten zu verwenden.
Umbau des Rentensystems
Ältere Beschäftigte sollten dafür gewonnen werden, länger zu arbeiten. Um beispielsweise Geringqualifizierte länger im Beruf zu halten, wäre ein Umbau des Rentensystems dienlich. „Würde es so gestaltet, dass der Wert von Rentenpunkten bei Geringverdienern am Ende ihrer Berufslaufbahn steigt, könnte der Altersarmut vorgebeugt und gleichzeitig der Frühverrentung begegnet werden“.
Wer älter als 58 Jahre ist, soll zudem nicht mehr für 24 Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld erhalten. Das nämlich verleite zum verfrühten Gang in den Ruhestand. Auch die in vielen Berufen mit dem Alter automatisch steigenden Löhne verhindern der OECD zufolge, mehr ältere Menschen mit Jobs zu versorgen.
Paulo Miguel Cabaço (pmc)
Mit Quellen von: bundesregierung.de // bmwi.de // phoenix.de // oecd.org
Cabaco @ 18. Februar 2012
Bundespräsident Christian Wulff trat zurück.
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Bundespräsident Christian Wulff trat am 17.2.2012 zurück. (Foto/ archiv12: © Friedhelm Schulz/ Friedrichson Pressebild)
Sylla @ 17. Februar 2012


