Portugal im Visier der Rating-Agenturen
28. November 2011Das Salz in der Euro-Wunde
Trotz aller Bemühungen der portugiesischen Regierung im Kampf gegen die Staatsverschuldung, hat die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit Portugals am Donnerstag von BBB- auf BB+ herabgesetzt und nun den „Ramsch-Status“ für die Bonität des Landes festgelegt.
Dabei setzte Portugal das von der EU und dem IWF geforderte Sparpaket um. In der Vergangenheit strikt eingehalten und zeitlich sogar übertroffen, heißt es von der Bundesregierung. Erwartet wird laut Fitch eine Schrumpfung der portugiesischen Wirtschaft um nicht weniger als drei Prozent. Dadurch besteht das Risiko, dass Portugal sein Defizit bis 2013 nicht, wie vereinbart, auf drei Prozent senken könne. Dass die Entscheidungen der Rating-Agenturen in der Euro-Krise, wie zusätzliches Salz in der Wunde wirken, bekommt nun auch die Bevölkerung Portugals noch mehr zu spühren.
Nicht neu ist die Rede von der Abschaffung der Weihnachts- und Sommerzuschläge für Rentner und Beamte. Auch die Anhebung der Mehrwertsteuer für mehrere Güter und Dienstleistungen auf 23 Prozent sei geplant. Premier Pedro Passos Coelho rechtfertigte die Maßnahmen wie folgt: „Nie mehr dürfen wir uns von den Verlockungen der Verschuldung verleiten lassen“. Doch all diese Maßnahmen bewegen die Menschen auf den Straßen Portugals dazu, zu demonstrieren und zu streiken.
Sie wollen sich gegen die drastischen Sparmaßnahmen wehren, auch wenn dabei, wie Griechenland seit Monaten zeigt, auch die Gewalt ein Mittel des Ausdrucks sein wird. Es bleibt abzuwarten, wie die portugiesische Regierung und die EU weiter auf diesen zusätzlichen Stein auf dem Weg aus der Europakrise reagieren werden. Die Bevölkerung sieht die zusätzlichen Sparmaßnahmen und die gleichzeitige Herabstufung als Anlass, weiterhin zu demonstrieren und zu handeln, anstatt abzuwarten.
(Text: Paulo Miguel Cabaço u. Hannes Marquart mit Quellen von Handelsblatt und Spiegel-Online, Fotos: Carlos Galveias)







