Stammtischgespräch zur Flüchtlingsproblematik: Es sind Wellen, es ist nicht das ganze Meer

Gemüsestammtischgespräch im Hintergrund der Flüchtlingswellen 

Kommentar zum Tag von Franziska Sylla

Aus Berlin, 22.9.2015. Sind die Auspuffabgase von Autos des weltweit agierenden Automobilkonzerns Volkswagen (VW) wirklich nicht an die amerikanischen Standards angepasst? Elf Millionen Mal? Frankreich wolle Medienberichten zu Folge VW-Kraftfahrzeuge prüfen. Die scheinbare Krise – aufgedeckt von amerikanischen Autotestern (?) – führte den Vorstand des VW-Konzerns, Professor Martin Winterkorn, heute dazu, die 600.000 Arbeitsplätze ins Gespräch zu bringen. Die Öffentlichkeit solle diese Mitarbeiter nicht unter einen Generalverdacht stellen.

Winterkorn suggeriere damit jenen (so ein Gemüsestammtischgesprächspartner heute, ein um seinen Besitz- und Berufsstand Fürchtender) im Hintergrund der europäischen Flüchtlingszuströmungen, das müsse eine Absprache sein. Die öffentlichen Medien zeichneten die deutschen Regierungsparteien als Integrationsregierung. Der Flüchtlinge wegen. Die sollen integriert werden. Das glauben er und seine Freunde auch so, wie es gesagt werde.

Dass das nicht so ist, dass „der Staat“ jedem Asylantragssteller eine Wohnung bezahlt (wenn er, sie, der ganze Clan überhaupt bei einem Vermieter so gut ankommt) ist solch Denkenden fremd. Ich sage, es ist eine Welle, nicht das Meer. Wellen ziehen sich auch wieder zurück. Deutschland hätte nie einfach einen Zaun drumherum bauen können (technisch und materiell wäre das kein Problem von über sechs Monaten), weil wir für die Welt wieder Nazi-Deutschland geworden wären. Das geht so nicht. Wir müssen uns perforieren, öffnen, wieder schließen, eine Membran sein mit andern EU-Teilnehmern und den EU-Außenstaaten kommunizieren, absprechen, abwarten, wieder aufeinander zu gehen. Immer wieder selbst entscheiden. Sicher nicht für einen Zaun, den bei uns alle für eine Mauer halten würden, wie dann unter der Besatzungszeit  – Dank der DDR-Marionetten….. . Das geht mit der gesamtdeutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht.

Mein Gesprächspartner heute glaubt den rhetorischen politischen Reden, als wären sie frei von Manipulation – individuell oder kollektiv. Als steckten keine Gesetze dahinter, keine operativen Handlungen von Verwaltungen.

Ich sage dann: Es kann durchaus sein, dass der amerikanische Präsident und die deutsche Kanzlerin (!, es ist wirklich regierungstechnisch mit Automobilkonzernen weltweit gut in ein Geschäft zu gelangen) sich darüber verständigt haben könnten, mit einer „Krise“ bei einem Autokonzern in der Folge der skandalisierten Darstellung eines vermeidbares Fehlers, das ausgesuchte Unternehmen nach einem Königsopfer dazu zu bringen, Arbeitsstellen zu streichen. Die Börsenkurse sanken jetzt mal so um über 20 Prozent. Ein guter Grund fehlgestellte Bauern zu schlagen (Mitarbeiter zu entlassen).

Ich sage auch, es könne nicht jeder Flüchtling integriert werden. Und natürlich kommen nicht nur die echt Bedürftigen oder Integrationsfähigen. Es werden viele Hunderttausende in Europa und auch Deutschland durch ein Sieb fallen, manche auch selbstverschuldet – wenn sie zu Deinen Angstgegnern gehören – wie mögliche kriminelle Schläfer/Innen oder die Schmarotzer/Innen. Ich sage auch, das Sicherheitsnetz in Deutschland ist sehr dicht. (Ich sage nicht, es ist auch raffiniert.) Er sagt: Merkel macht nicht mehr lange. Ich frage: Wer denn sonst und würde ein anderer es in Deutschland anders machen? Er: Nein.

Er denkt weiter: Zum sich unternehmerisch zurecht zu schrumpfen nach solch einem (vermeintlich) von den Regierungen anberaumten Vorgehen an dem VW-Konzern, würden dann im Zuge (der Integrationsrhetoriken), die (als relativ fähig einregistrierten) Asylbewerber oder Migranten Arbeit finden können. In der Automobilbranche. Für geringere Löhne, mit noch weniger sicheren Verträgen, aber integriert.

Mein Gesprächspartner ist in der Tiefbauimmobilienbranche voll angestellt. Ein sicherer Job. Heute. Scheinbar hat er Angst, keine Rente zu erhalten. Die Gesundheitsfürsorge solle auch für Asylsuchende gelten. Habe er eine sichere Gesundheitsversorgung, wenn er sie braucht?

Ich sage: Hartz IV ist sicher. Das beruhigt den gut verdienen Mann in dienender Stellung mit mittlerem Einkommen nicht. Selbst die Kita-Gebühren sind für ihn und seine Frau höher, als die von Berlinern, die von Transferleistungen leben. Sie haben vor kurzem Nachwuchs bekommen. Geheiratet haben sie noch nicht. (sylla)

 

Anderes Medium zum Thema: http://www.welt.de/Wie-viel-wusste-VW-Chef-Winterkorn?

 

 



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