Eine Geschichte mit Happy End? – 50 Jahre Gropiusstadt

Am 7. November 1962 legte der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt (SPD) gemeinsam mit Walter Gropius den Grundstein für ein großes soziales Wohnprojekt: Zwischen Britz, Buckow und Rudow sollte eine Wohnsiedlung entstehen, in der man in natürlicher Umgebung und mit einem umfassenden kulturellen Angebot leben kann. Aus Gropius’ Entwürfen entstand eine Trabantenstadt, die zunächst zum sozialen Brennpunkt wurde und seit zehn Jahren verstärkt versucht, die sozialen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen und den Gropiusstädtern ein Gefühl von Heimat zu vermitteln.

Zu den Feierlichkeiten anlässlich der Grundsteinlegung, die von August bis November an verschiedenen Plätzen in der Gropiusstadt stattfinden werden, laden die vielen verschiedenen Immobilienunternehmen, Vereine sowie Baugenossenschaften, die Wohnungen in der Gropiusstadt unterhalten, die Agentur Stadtmuster, das Kulturnetzwerk Neukölln e.V. und viele andere Projekte und Initiativen. Die Organisation liegt in den Händen des Quartiermanagements (QM) Lipschitzallee/Gropiusstadt. Der soziale Brennpunkt um den U-Bahnhof Lipschitzallee wurde 2005 zum Präventionsgebiet ausgerufen. Das QM soll seitdem mit Geldern aus dem Programm Soziale Stadt die Lebenssituation der Bewohner verbessern, Akzente setzen und den Dialog zwischen alle lokalen Akteuren und den Bewohnern fördern.
Heike Thöne ist die QM-Projektleiterin und für sie „schließt sich ein Kreis“. Nach monatelanger Vorbereitung wird nun von August bis November das Jubiläum mit vielen verschiedenen Veranstaltungen gefeiert und von ihr wird die Frage gestellt „Wer sind die Gropiusstädter von morgen?“

Frank Bielka bezeichnet Gropiusstadt als die „Stadt mit Zukunft“ (Foto: Christiane Kürschner).

Gropiusstadt: Von der Trabantenstadt zur Stadt mit Zukunft

Wer die Gropiusstädter von heute sind, zeigen Statistiken vom Statistischen Landesamt Berlin-Brandenburg, Stand: 30.06. 2010. Im QM-Gebiet leben 23.573 Einwohner, in der ganzen Gropiusstadt rund 35.000. Davon haben 17,11 Prozent keinen deutschen Paß. Jedoch leben im Einzugsgebiet 10.806 Personen mit Migrationshintergrund, das sind 45,8 Prozent. Die am meisten vertretenen Gruppen an ausländischen Staatsangehörigen im ganzen Gebiet sind Türken, 7,98 Prozent, gefolgt von Polen mit 2,16 Prozent und 2,11 Prozent Ex-Jugoslawen. 36,31 Prozent der Gropiusstadt-Bewohner sind älter als 55 Jahre.

Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2011 schlüsselte auf,  im Jahr 2010 emfingen 60,5 Prozent  der unter 15-Jährigen in der gesamten Gropiusstadt Existenzsicherungsleistungen. Insgesamt erhalten 32,81 Prozent der Bewohner ALG-II-Leistungen, inklusive Sozialgeld; jedoch seien nur  rund sieben Prozent der Gropiusstadt-Bewohner wirklich arbeitslos. Liegt der Gedanke nahe, dass diese Bewohner neben ihrem Leistungsbezug zusätzlich verdienen? Gropiusstadt liegt über dem Berliner Durchschnitt.

Aufmerksame Zeitgenossen haben die Geschichte der Christiane F. vor Augen, die in Gropiusstadt lebte und hier zu Drogen, Prostitution und Kriminalität fand. So räumt auch der Neuköllner Bezirksstadtrat für Bauen, Natur und Bürgerdienste ein: „es gab auch schwierige Zeiten.“ Zu sehr ballten sich Ende der 70er-Jahre die Problem durch fehlende Lebensqualität und eine zu einseitige Sozialstruktur. Erst 2001 wurde die Fehlbelegungsabgabe abgeschafft. Bis dahin mussten alle Bewohner, denen die Sozialwohnung in Gropiusstadt nicht mehr zustand, weil sie zu viel verdienten, eine Abgabe zahlen. In Gropiusstadt wurden rund 90 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen geplant. Mit Leerstand haben die involvierten Immobilienunternehmen – und Gesellschaften laut dem Quartiersmanagement heute nicht mehr zu kämpfen.

Der Vorstand der Baugenossenschaft „ideal“ Michael Abraham hat keinen Leerstand zu bemängeln. (Foto: Christiane Kürschner)

Akademie einer neuen Gropiusstadt

Als „Stadt mit Zukunft“ bezeichnet der Staatssekretär a.D. und Vorstand der degewo Frank Bielka die Gropiusstadt. Durch die gute Infrastruktur, die die U-Bahnlinie 7 gewährleistet und die vielen Projekte wird eine neuere, besser Gropiusstadt entstehen. Ganz nahe an der Entwicklung neuer Perspektiven für die Gropiusstadt ist die „Akademie einer neuen Gropiusstadt“ dran. Das Projekt wird vom Fachgebiet Städtebau und Architektur an der Technischen Universität (TU) Berlin unter der Leitung von Professor Jörg Stollmann durchgeführt und vom Fachgebiet Baukonstruktion und Entwerfen am Institut für Architektur der TU Berlin unterstützt. Aus energetischer Sicht ist die Gropiusstadt die „ideale Stadt“, sagte Stollmann. Eine dichte Bebauung und Ausnützung der Fläche sowie viel Grünflachen machen das gute Klima aus. Mehr als 40 Studierende der TU Berlin haben sich aber nun darüber Gedanken gemacht, wie die Gropiusstadt attraktiver werden und öffentliche Räume wie die langweiligen Grünflächen besser genutzt werden können. Deshalb wurden die „Bedürfnisse der Bewohner abgefragt“, so Stollmann. Auf diese Weise brachten auch Bürger, die nichts mit Stadtplanung und Stadtentwicklung zu tun haben, ihre Ideen und Anregungen mit ein. Ob die Entwürfe, die noch bis zum 25. August 2012 im alten Edeka in der Lipschitzallee ausgestellt sind, jemals umgesetzt werden, sei einmal dahingestellt.

Die Ideen sind da und ob die Gropiusstädter sich angesprochen und integriert fühlen, können Interessierte am 25. August selbst überprüfen: An diesem Samstag wird ein Großteil der geplanten Jubiläumsveranstaltungen in der ganzen Gropiusstadt stattfinden. Darunter sind das jährliche Sommerfest, die Lange Kaffeetafel in Gropiusstadt, eine Fassadenperformance am höchsten Wohnhaus Berlins mit 32 Etagen sowie künstlerische Interventionen im Projekt „Experimentelle Urbane Landschaften“.

Das ganze Programm gibt es hier.

In der Fritz-Erler-Allee befindet sich das höchste Wohnhaus Berlins – hier wird es am 25. August eine Fassadenperfomance geben (Foto: Christiane Kürschner).


die Anhänge zu diesem Post:


Das Gropiushaus wurde nach dem Tod seines Architekten umbenannt (Foto: Christiane Kürschner).


Der Vorstand der Baugenossenschaft „ideal“ Michael Abraham hat keinen Leerstand zu bemängeln (Foto: Christiane Kürschner).


In der Fritz-Erler-Allee befindet sich das höchste Wohnhaus Berlins – hier wird es am 25. August eine Fassadenperfomance geben (Foto: Christiane Kürschner).


Frank Bielka bezeichnet Gropiusstadt als die „Stadt mit Zukunft“ (Foto: Christiane Kürschner).



Kommentare nicht erlaubt.