Archive für die ‘Kunst / Kultur’ Kategorie

Der Herrgott drückt ein Auge zu

25. März 2012

Es ist für einen Ritter

immer recht bitter,

wenn er im Zweikampf verliert.

Ist er aber glücklich liiert,

Spornt ihn seine Herzensdame an:

Günter Stanienda dichtet: Der Herrgott drückt ein Auge zu. (Foto: sylla)

 „Mensch, Liebster, sei ein Mann!

Sei Du selbst das Jüngste Gericht

Und fordere ihn heraus, diesen Wicht,

zück’ das Schwert aus der Scheide

kämpfe erneut und siege für uns beide!

Dann besteigen wir der Teutschen Thron

Und scheren uns nicht um Häme und Hohn!

Deiner Ehefrau wird’s nicht gefallen,

aber der Weg zu den Ruhmeshallen

ist nun mal mit Opfern verbunden!

Der Herrgott? Der drückt bestimmt ein Auge zu,

dann hat ER wieder ein bisschen Ruh!

ER muß gelegentlich Kompromisse machen

und möchte auch gern mal über die Liebe lachen!“

Stani                                                           24.3.12

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“Todschlußpanik”

11. März 2012

“Todschlußpanik” Ein halbakter von Günter Stanienda 

(Foto: F. Sylla, 18.3.2012, im Bundestag nach der Präsidentenwahl auf Fraktionsebene)
Günter Stanienda: früher Hauptstadtkorrespondent, dann Pressesprecher der CDU-Berlin-Opposition unter Willy Brandt. Seit Jahren dichtet er über aktuelle politische Ereignisse und persönliche oder schreibt Bühnenstücke.       (Foto: F. Sylla, 18.3.2012. Deutscher Bundestag nach der Präsidentenwahl von Joachim Gauck, hier auf der Fraktionsebene)

Die Träume nehmen im Alter zu. 

 

Beginn der Ewigen Ruh?

Da kommen nachts seltsame Bild-Gedanken.

Zum Beispiel zwei Engel, die sich zanken:

Der eine will mich in den Himmel holen,

der andere sagt, ich solle in der Hölle verkohlen!

Warum eigentlich  „der“ Engel

und nicht die oder das Engel?

Sind Engel unsichtbare Wesen und vielleicht mal Menschen

gewesen? Im Traum kann ich nur ihre Stimmen hören, die mich manchmal richtig betören:

sie säuseln und summen mir sanft ins Ohr und „singen“ manchmal sogar im Chor!

Wie ich da höre, sind es die längst Verstorbenen,

die den Neuen, den vom Leben verdorbenen,

im Zwischenhimmel erst mal die Leviten lesen,

zu ihrem Verhalten, zu ihrem Wesen.

Das Kommando über die Auferstandenen.

die im Zwischenhimmel zunächst landen,

hat die so genannte Himmelshilde,

die mit elysischer Engels-Milde

die Neuankömmlinge befragt

und gern hört, was so ein Erdler nun sagt!

Denn die Erdler hatten sich zu oft verbogen –

im Himmel aber wird nicht mehr gelogen!

Ob die Himmelshilde vielleicht die Jungfrau Maria ist,

die man im Christentum vielfach vergisst (?),

während man sie im Koran durchaus verehrt!

Und sie ist’s doch, die das Mütterliche lehrt,

in einer Zeit, die das Frauenbild schändet,

wo oft die Liebe im Ordinären endet!

Wo das Züchtige zur Unzucht erigiert,

obwohl das Land eine Christin regiert.

PS. Wir müssen ja nicht gleich Mormonen werden,

aber auch nicht zu gierigen und geilen Herden,

denen letztlich Hirt und Hirtenhund fehlt,

was aber im Zwischenhimmel zählt!

Hier wird geprüft und aussortiert,

da hat keine Chance, wer mogelt oder giert!

Hier werden die Kessen vermessen,

auf dass der Hochmut – ruht!

_______________________                                               

5.3.2012, Günter Stanienda

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Hilal Sezgin: Landleben. Von einer, die raus zog

20. Februar 2012

Schafe, Hühner und ein Haus mit Garten

Hilal Sezgin tauschte modische Boots gegen Gummistiefel, städtisches Stubenhocken gegen ein Leben auf dem Land, mit Tieren, weitem Blick auf Wald und Wiese, mit Jahreszeiten. In „Landleben“ erzählt sie vom Abenteuer, anzukommen in ihrem ganz persönlichen Glück.

Von Monika Thees, 13.2.2012

Sie ist eine, die »raus zog», ein Stadtmensch, dem es zu eng wurde in den Häuserschluchten. Eine, die den Mut besaß, eine, die nicht die Entbehrung suchte, sondern ein bereicherndes Mehr. Hilal Sezgin hatte fast ihr ganzes Leben in Frankfurt verbracht, ein Studium abgeschlossen, einige Bücher und viele Artikel verfasst. Sie war gerade 36 geworden, freiberufliche Autorin ohne Präsenzpflicht im Büro und fest entschlossen, das umzusetzen, was als Traum schon lange ihre Sehnsucht nährte: ein Leben auf dem Land mit Schnee im Winter, mit Kuckucksrufen im Frühjahr, ein Haus mit Garten und Tieren, ein Landfrauenhaushalt mit Ernten, Einkochen und Pilzesammeln im Herbst.

»Wer keine Ahnung hat, hat Mut», besagt das Sprichwort und Hilal Sezgins fehlendes Gespür für Risiko erwies sich als das Glück der Suchenden: Der Durst nach Grün, nach

Platz und Weite war stärker als jedes „Aber“, das Glücksversprechen des Aufbruchs überwog die fade Sicherheit des altbekannten Frankfurter Einerleis: Starbucks, Kino und unverbindliche Geselligkeit.

Heute, es sind schon über fünf Jahre ins Land gegangen, ist die Stadtflüchterin, die mit kühnen Schwung alle Zweifel und Bedenken außer Kraft setzte, dauerhaft wohnhaft und zu Hause am Rande eines 500-Seelen-Dorfs in der Lüneburger Heide – auf einem Hof mit Schafen, Ziegen, Hühnern, Gänsen und Katzen, insgesamt 60 Tieren an der Zahl.

Brennnessel und Giersch

Jede große Veränderung beginnt mit einem ersten Schritt, der hieß für Hilal Sezgin, ein Haus zu suchen: nicht zu einsam, nicht zu teuer, zunächst geeignet für den Sezgin’schen Single-Haushalt plus drei Katzen. Sie studiert Landkarten, Fahrpläne, erörtert Fragen des Renovierens und Restaurierens, versucht, potenzielle Nazihochburgen auszumachen, checkt die Nähe zu Universitätsstädten und besiegelt schließlich, nach etlichen Besichtigungen und langem Hin und Her, per Handschlag einen Vertrag mit Bio-Landwirt Christian, dem Vermieter ihres Vertrauens und eines Hauses, das ihren Vorstellungen sehr nahe kommt: ein Backsteinbau mit Giebelfenster, mit Wiese hinter der Terrasse, »auf der allerlei gedieh, am besten Brennnessel, Ampfer und Giersch».

Frisch plant sie Einrichtung und Umzug, ordert Tische, Schränke und weiteres Mobiliar per ebay oder Ikea – und ebenso frisch und lebendig lesen sich die Episoden der glücklich verlaufenden, wenn nicht gar märchenhaften Metamorphose der einstigen Häuserwändestarrerin. In ihrem neuen Heim zwischen Kartoffel- und Rapsfeldern, Pferdewiesen und kleinen Wäldchen mausert sich die Zugezogene aus der Mainmetropole zu wetterfesten und handfest zupackenden Landfrau mit Sinn fürs praktisch Machbare. Mit tatkräftiger Unterstützung der dörflichen Gemeinschaft werden Zäune errichtet, Lämmer entbunden und der Schafstall ausgemistet. »Wie hast du eigentlich vorher in der Stadt überlebt?», fragt Christian einmal. »Schlecht», antwortet Hilal. Es ist ganz und gar nicht gelogen.

Janas Drillinge, Esmis Fuß und die drohende Deadline

Kein verklärtes »Zurück zu Natur» wird hier beschworen, kein verkrampft alternatives Leben in dogmatisch korrekter Strenge exerziert, Hilal Sezgin weiß um die Widersprüche und um die Illusion dessen, was gemeinhin als ländlich-bäuerliche Idylle nur noch Werbeplakate der Nahrungsmittelindustrie oder Tourismusbranche ziert. Agrarindustrie nennt sich die Massenproduktion in Stall und auf dem Acker, Monokultur und Zersiedelung zerstören Landschaft nebst Vielfalt, junge Leute flüchten in die Stadt. Und doch: Ruhe, Weite und Wetter haben ihren Reiz, bieten ganz real die Möglichkeit, ein wenig sinnlicher und unmittelbarer, mehr mit der Natur als gegen sie zu leben.

Hilal Sezgin erzählt von ihrem ganz persönlichen Glück, augenzwinkernd und selbstironisch berichtet sie von Fehlschlägen, alltäglichen Kümmernissen und der allmählich wachsenden Schar gefellter und gefiederter Mitbewohner: Schafe, Hühner, zwei Gänse und eine Ziege. Sie wollen versorgt, umhegt, gepflegt werden. Schaf Jana hat Drillinge und eine Euterentzündung, Ganter Esmis Fuß sieht nicht gut aus, die aus der Bio-Freilandhaltung geretteten Hühner brauchen eine habichtsichere Unterkunft. Reparaturen, kranke Tier und die tägliche Erwerbsarbeit am Computer mit bedrohlich näherrückender Deadline setzen ihr zu. Selbstkritisch räumt sie ein: »Ein Stall voller Tiere, ein Konto ohne Einkünfte, ein unfertiges Manuskript und ein Landhaus ganz weit draußen – das war ein bisschen viel auf einmal.»

Gummistiefel nicht als Deko, sondern als tägliche Pflicht. Kein nie endenden wollender Urlaub auf der Hängematte unterm Apfelbaum, sondern Verantwortung und selbstauferlegte Verpflichtung – bei Wind, Wetter, Eis und Schnee. Ein Landleben à la Hilal Sezgin entschädigt nur den, der die Mühe aufbringt, jeden Tag früh aufzustehen, und sich nicht unterkriegen lässt: Er wird wachsen, vom ängstlichen Stubenhocker zu einem, den es jeden Tag nach draußen zieht. Er wird entlohnt werden: durch Tiere, welche die entgegengebrachte Achtsamkeit erwidern, durch die Gemeinschaft von Freunden, die einspringen mit Trecker, Werkzeug und Tatkraft oder einfach spontan vorbeischauen und »Hallo» sagen, durch üppige Ernte selbst gezogener Kartoffeln oder Johannisbeeren. Und durch den weiten Blick über Feld und Flur.

Das ist viel, sehr viel, wunderbar und real: viel Leben.

Literaturangaben:

Hilal Sezgin: Landleben. Von einer, die raus zog. DuMont Buchverlag, Köln 2011. 269 S., 19,99 Euro.

Mehr über Hilal Sezgin: http://http://www.wix.com/hilalsezgin/hilalsezgin/hilalsezgin/hilalsezgin

Artikel von Monika Thees erschienen bei: http://www.titel-magazin.de/artikel/186/10580/hilal-sezgin-landleben.html

 

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Extro-Galerie: Lichtbildliche Poesie aus Eis, Wind und Schnee

26. Januar 2012

Schneesturm beginnt über dem Bodden (alle Fotos Copyright: Stefan Jalowy)

“Guten Morgen, hier in Berlin-Moabit ist es mit minus sechs Grad frostig, aber trocken…der Tag wird sonnig bleiben und Niederschläge sind auf unserem Wetter-Radar nicht in Sicht…” Es ist Winter im Nordosten Deutschlands. Sowas wie  Winterge- fühl kommt im Grunde erst mit Ansa- gen wie dieser fiktiven Wettermel- dung  im ebenso fiktiven “Demokra- tie-Radio” auf. Nicht fiktiv an diesem Morgen ist allerdings das Wetter – und der Blick aus dem Fenster auf die auf im ersten Morgengrauen noch friedlich in Reih und Glied aneinander gekuschelt schlummernden Autos der Nachbarn verrät: der Frost hüllt Karossen und Karosserien in ein feines, dünnes und sehr eisiges Firnis. Wie ein hauchzartes Dessous-Etwas. Und wenn es hier in diesem Winkel von Moabit mehr Natur gäbe, wenn es in diesem Berliner Winter mehr Eis und vor allem mehr Schnee gäbe, wenn es dazu noch stürmte und unablässig Tag und Nacht schneite – dann…könnte man sich den poetischen Momenten der Foto-Edition von Rainer F. Steussloff erheblich näher fühlen. Und unter der fröstelnden Haut so etwas wie Bewunderung, Faszination und fast kindlich fühlbares Staunen über die Wunder der winterlichen Natur empfinden.

“Zwischenspiel” hat der renommierte Fotograf seinen Bilderzyklus genannt, der vor fast genau zwei Jahren  am Saaler Bodden bei Ahrenshoop entstand. Damals, in diesem unfassbar langen Schneewinter, versank Deutschland wochenlang unter Schneemassen. An der Ostseeküste fegte Wintersturm “Daisy” über die stille Landschaft Vorpommerns. Entlang der Darß-Zingster Boddenkette sind die südlichen Ufer von ausgiebigen Riedgürteln gesäumt. Die filigranen Sumpfgräser von Sturm und Schnee gebogen, vereist und unter dem kristallenen Panzer dennoch lebend. Blendendes Weiss eines von Schnee gefüllten tiefen Wolkenhimmels. Sonnenstrahlen, die sich den Weg durch sturmgeladene bleierne Wolken auf das Graubraun der Ufer und das Schiefergrau des nur knapp über dem Gefrierpunkt dümpelnden Boddenwassers bahnen. Naturgewalt und die ebenso zerbrechliche wie widerstandsfähige Zartheit von Halmen, Zweigen, Ästen, Knospen und Blüten. Welch ein Kontrast, hinter dem sich so mancher Zauber verbirgt.

“Du siehst  unter der Schneedecke eine Art fast transparenten Iglu und darunter schimmert ein braunes Zweiglein, eine verdorrte Blüte”, beschreibt Rainer Steussloff das Phänomen, das ihn hundertfach in diesen Tagen faszinierte. “Dann entfernst Du die dünne Kristallhaube, fasst das Pflänzchen an und es ist vollkommen vertrocknet, zerbröselt unter der leichtesten Berührung. Und doch steckt in diesem scheinbar toten Stück pflanzlicher Materie soviel Energie und Wärme, dass es sich diese kleine Überlebenshöhle unter Eis und Schnee geschmolzen hat.”

Für den Biologen mögen es chemisch-physikalische Vorgänge sein. Für den Beobachter ein Stück jener aus den fundamentalen Wahrheiten der Natur offenbarte Poesie, die uns Menschen wundern und staunen lässt. Die Bilder, die Steussloff in seinem Zyklus “Zwischenspiel” vorstellt, sind fotografische Poesie. Zu betrachten und zu spüren in der “Extro-Galerie” (Herbert- Baum-Straße 11, 13088 Berlin-Weissensee; Di. und Do., 14 – 18 Uhr).

Passend dazu – ein Stück traditioneller Winter-Poesie:

Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab’ nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht und redet wie im Traume.
Er träumt von künft’ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob will rauschen.

(Joseph von Eichendorff)

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Kutte in Aktion, von Günter Stanienda

24. Januar 2012

Übersicht neue Gedichte: Kutte in Aktion

!Archiv DS bis 2011 !: demokratie-spiegel.de/redaktionberlinbonn/guenterstanienda

 

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